Schimmel im Keller — warum er entsteht, und was wirklich hilft.

8 Minuten Lesezeit Stand: April 2026 Redaktion lueften.info

Schimmel im Keller ist fast immer ein Feuchte-Problem, und Feuchte-Probleme sind fast immer Temperatur-Probleme. Wer den Taupunkt versteht, löst neun von zehn Fällen ohne Handwerker.

Kurz gesagt

  • Kellerschimmel entsteht, wenn warme, feuchte Außenluft an kühlen Kellerwänden kondensiert.
  • Im Sommer also wenig lüften, im Winter kurz und quer.
  • Ein Hygrometer für 10 € ist die beste Investition, nicht der Luftentfeuchter für 200 €.
  • Ab 0,5 m² Befall: Fachbetrieb, nicht selbst beikommen.

Warum gerade der Keller?

Kellerwände liegen unterhalb der Frostgrenze in der Erde und sind ganzjährig kühl — oft nur 12 bis 16 °C. Die Außenluft im Sommer kann dagegen 25 °C und 70 % Luftfeuchtigkeit haben.

Öffnest du jetzt das Kellerfenster, passiert genau das: die warme, feuchte Luft strömt herein, trifft auf die kühle Wand, kühlt ab — und weil kalte Luft deutlich weniger Wasser halten kann als warme, wird das überschüssige Wasser an der Wand abgelagert. Das ist Kondensation. Nach ein paar Wochen siehst du den ersten Schimmel.

Der Taupunkt in einem Satz.

Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der Luft so viel Wasser enthält, wie sie maximal tragen kann — jede weitere Abkühlung presst Wasser als Tropfen heraus.

Für den Keller heißt das: ist der Taupunkt der Außenluft höher als die Temperatur deiner Kellerwand, wird diese Wand nass. Immer.

Infografik · Taupunkt im Querschnitt
AUSSEN 24 °C · 70 % rF Taupunkt 18 °C LUFTSTROM KELLERWAND 14 °C Wand­temperatur TAUPUNKT 18° Kondensiert an jeder Fläche, die kälter ist als der Taupunkt der Luft.

Die Regel, die fast immer gilt.

Lüfte den Keller, wenn es draußen kälter ist als drinnen. Nicht, wenn es draußen wärmer ist. Sommer: nachts und frühmorgens kurz lüften, tagsüber Fenster zu. Winter: einmal pro Tag 5–10 Minuten quer, das genügt.

Klingt kontraintuitiv, weil sich „frische Luft reinlassen" immer gut anfühlt. Physikalisch ist es im Sommer aber das Gegenteil: du pumpst Wasser in deinen Keller. Verlass dich nicht auf Gefühl, verlass dich auf den Rechner oder ein Hygrometer.

Was selbst tun — was lassen.

Selbst machen:

  • Hygrometer in jeden Kellerraum. Zielwert: unter 60 % relative Feuchte.
  • Möbel, Kartons, Regale fünf bis zehn Zentimeter von den Außenwänden abrücken.
  • Kleine oberflächliche Schimmelflecken (unter 0,5 m², nicht im Mauerwerk) kannst du mit 70–80 % Ethanol selbst entfernen. Atemschutz nicht vergessen.
  • Wäsche nicht im Keller trocknen, wenn du kein kontrolliertes Lüftungssystem hast.

Fachbetrieb holen, wenn:

  • Die befallene Fläche größer als 0,5 m² ist.
  • Schimmel unter Tapete, Putz oder im Mauerwerk sitzt.
  • Du Wassereintritt von außen vermutest (aufsteigende Feuchte, undichte Kellerwand).
  • Menschen mit Asthma, Allergien oder geschwächtem Immunsystem im Haus leben.

Fürs Messen reicht ein einfaches Hygrometer, solange es kalibrierbar ist — unser Kurzvergleich brauchbarer Modelle. Für dauerhaft feuchte Keller ohne bauliche Lösung kann ein Luftentfeuchter mit Hygrostat sinnvoll sein, ist aber Symptombehandlung. Wir empfehlen keine Marken pauschal und finanzieren uns zu einem Teil über Affiliate-Links — gekennzeichnet als „Anzeige".

Wann der Rechner lügt.

Unser Lüftungsrechner arbeitet mit den Werten, die du ihm gibst. Ist dein Innen-Hygrometer ungenau oder misst an einer windigen Ecke, kommen unsinnige Ergebnisse heraus.

Miss an einer repräsentativen Stelle — Raummitte, Brusthöhe, nicht direkt an einer Wand oder Wärmequelle. Und gib den Werten nach dem Lüften 20–30 Minuten zum Einpendeln.

Im Zweifel, und besonders wenn Kinder oder Allergiker im Haus sind, lieber einen unabhängigen Sachverständigen hinzuziehen. Eine Stunde Beratung kostet weniger als eine Fehlsanierung.